Ein junges Fohlen aus einer Pferdeherde in Mariazell war vermutlich ausgerutscht und in knietiefen Morast gefallen. Als es unbestimmte Zeit später von Passanten entdeckt wurde, lag es völlig entkräftet auf der Seite, zur Hälfte im Schlamm begraben.

Die von der örtlichen Polizei zur Bergung herbeigerufenen Helfer des Tierschutzvereins Schramberg, standen zunächst hilflos der Situation gegenüber. Die gesamte Koppel hatte sich über den Winter in einen einzigen großen Sumpf, bestehend aus Lehm, Wasser und Pferdekot verwandelt, was den Zugang zum verunglückten Tier nicht ohne weiteres möglich machte. Mit Brettern und Dielen gelang es zum Fohlen vorzudringen, die eingesunkenen Gliedmaße mühsam aus dem Matsch freizulegen um dann mit schwerem Gerät das Pferd herauszuziehen. Dennoch verendete das Fohlen tags darauf an den Folgen.

Für große Empörung bei den Anwesenden sorgte jedoch auch der Zustand der übrigen Herde und die allgemeinen Bedingungen, unter denen die insgesamt 25 Tiere, darunter mehrere Fohlen und eine zwanzigjährige tragende Stute, gehalten werden. „Die Pferdehaltung wird seit Jahren dokumentiert und beanstandet, die derzeitige Situation ist jedoch eine einzige Katastrophe und aus Sicht des Tierschutzes nicht hinnehmbar“ berichtet Claudio Di Simio , der stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzvereins, welcher das zuständige Veterinäramt in der Vergangenheit immer wieder auf Missstände aufmerksam machte. „Die Tiere stehen bis zu den Kniegelenken im eigenen Dreck, sind dadurch stark in ihrer Bewegung eingeschränkt und weisen Parasitenbefall und Abszesse auf. Zudem werden sie nicht ausreichend mit Futter und Wasser versorgt“ so einige der Vorwürfe des Tierschutzvereins. Von Seiten des Veterinäramtes wurden dem Halter auch mehrfach Auflagen gemacht und die Möglichkeit gegeben, die Zustände zu verbessern, allerdings sei der Halter dazu nicht in der Lage oder nicht willens, wie jetzt deutlich werde.

Der Halter der Pferde hingegen, wies die Vorwürfe von sich. Er gebe zwar zu, dass sich das Gelände zur Zeit in keinem sehr schönen Zustand befinde und bedauerte das, was seinem Fohlen passiert sei, er habe allerdings keine andere Stellmöglichkeit für seine Pferde. Ihren Gesundheitszustand bezeichne er aber als vital und abgehärtet.

Claudio Di Simio vom Tierschutzverein Schramberg beurteilt die Situation anders: „Die Tiere haben unter der Überforderung und Fehleinschätzung des Halters erheblich zu leiden, das ist für jeden offensichtlich, nur nicht für den Betreffenden selbst.“ Es sei daher fraglich, ob weitere Auflagen hier etwas bringen könnten.

Durch den medialen Druck sah sich das Veterinäramt gezwungen endlich zu handeln und schnell Maßnahmen zu ergreifen. Eine Woche später wurde die Tierhaltung aufgelöst und sämtliche Pferde anderweitig untergebracht. Gegen den Tierhalter wurde eine Strafanzeige gestellt, um ein Tierhalteverbot zu erwirken.

Kommentar abgeben

zum Pressespiegel

(c) 04/2013 - Tierschutzverein Schramberg
1/8 
zurueck start pause weiter