Am 17. Juli wählen die Bürger der Stadt Schramberg und der Ortsteile einen neuen Oberbürgermeister. Welche Ausrichtung erhält dann die kommunale Tierschutzpolitik mit dem neuen Rathauschef? Für uns ein Grund, die OB-Kandidaten auf ihre Gesinnung in Fragen des Tierschutzes abzuklopfen. Wir haben dazu die drei Kandidaten Michael Melvin, Michael Schrenk und Thomas Herzog angeschrieben und ihnen Fragen zu aktuell brennenden Tierschutzthemen gestellt:

 

Sehr geehrter [Name des OB-Kandidaten],

der Tierschutzverein Schramberg setzt sich seit 1986 in der Region Schramberg für herrenlose und in Not geratene Tiere ein. Er zählt z.Zt. 120 Mitglieder.

Wir übernehmen mit unserem ehrenamtlichen Engagement aber auch Pflichtaufgaben der Gemeinden, wie bspw. die Aufnahme und Verwahrung von Fundtieren. Dadurch entlasten wir die Gemeinden personell und finanziell in hohem Maße. Dies ist nur deshalb möglich, weil sich unsere aktiven Mitglieder mit großem persönlichen Einsatz für die Tiere einsetzen: mit ihrer freien Zeit, unentgeltlich, mit Sachkunde und noch mehr Leidenschaft.

In den letzten Jahren durften wir eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und unserem ehemaligen OB erleben. Gerne würden wir diese Zusammenarbeit mit dem neuen Oberbürgermeister der Stadt Schramberg ausbauen.

Um unseren Mitgliedern und den vielen Tierfreunden aus Schramberg, die am 17. Juli über ein neues Stadtoberhaupt zu entscheiden haben, die Kandidaten und ihre Einstellung zum Thema Tierschutz näher zu bringen, möchten wir Ihnen gerne Fragen zu drei Tierschutzthemen stellen, die uns aktuell besonders „unter den Nägeln brennen“.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie sich kurz Zeit nehmen würden, die Fragen ehrlich zu beantworten. Die Antworten aller Kandidaten werden wir auf unserer Website www.tierschutz-schramberg.de veröffentlichen.

 

Fundtierkostenpauschale

Die Verwahrung von Fundtieren ist nach §973 BGB Aufgabe der Gemeinden. Der Tierschutzverein Schramberg hat mit der Stadt Schramberg eine Vereinbarung über die Aufnahme von Fundtieren getroffen. Darin verpflichtet er sich, Fundtiere die in der Stadt Schramberg und ihren Ortsteilen aufgegriffen werden, aufzunehmen und ihren Besitzern zurückzuführen. Dieser Dienst wird von der Stadt Schramberg mit einer jährlichen Fundtierkostenpauschale in Höhe von z.Zt. 10 Cent/Einwohner vergütet.

Damit liegt die Vergütung weit unter dem, was durchschnittlich von Gemeinden bezahlt wird. Somit ist es kaum möglich, kostendeckend zu arbeiten.

Frage: Sind Sie bereit, die Fundtierkostenpauschale auf eine angemessene Höhe (mind. 20 Cent) zu heben?

 

Tierheim

Neben der finanziellen Seite, stossen wir aber auch räumlich oft an unsere Grenzen. Da Fundtiere von einigen unserer Mitglieder privat bei sich aufgenommen werden, sind unsere Kapazitäten eng begrenzt. Verschärft wird die Lage auch dadurch, daß im gesamten Kreis nur der Tierschutzverein Rottweil eine kleine Tierauffangstation unterhält und diese auch nur für das Gebiet Rottweil ausgelegt ist.

Deshalb sind wir seit geraumer Zeit auf der Suche nach einem geeigneten Objekt, welches mit den Mitteln des Tierschutzvereins erworben und zu einem Tierheim umgenutzt werden kann.

Frage: Sehen auch Sie die Notwendigkeit eines Tierheimes zur Aufnahme von Fundtieren und wären Sie bereit, uns bei der Suche eines geeigneten Gebäudes bzw. Grundstücks, durch Befürwortung während des Genehmigungsverfahrens und durch eine Bezuschussung durch die Stadt zu helfen ?

 

Freilaufende Katzen

Eines der Tierschutzprobleme, denen wir sehr häufig gegenüberstehen, ist die Zunahme von verwilderten und freilaufenden Katzen, die sich ungehemmt vermehren, insbesondere in den Ortsteilen mit ausgeprägter Landwirtschaft. Fast wöchentlich erhalten wir Anrufe von Bürgern, die von verwahrlosten und kranken Katzen berichten oder die Würfe kleiner Katzenwelpen entdecken.

Die Aufnahme und medizinische Versorgung der Tiere ist von uns alleine, schon wegen der schieren Masse und der damit verbundenen Kosten nicht zu bewältigen. Die Folge sind eine unüberschaubare Zahl an Katzen, die verelenden und wegen der damit verbundenen Seuchenübertragung auch eine Gefahr für die Allgemeinheit bedeuten.

Die einzig wirksame und tiergerechte Maßnahme ist die Kastration. Deshalb führen wir hin und wieder koordinierte Kastrationsaktionen durch, bei denen Katzen eingefangen, kastriert und wieder freigelassen werden.

Diese Bemühungen werden allerdings durch Katzenbesitzer unterwandert, die sich weigern, ihre freilaufenden Katzen zu kastrieren und dadurch wesentlich zur Überpopulation und dem Katzenelend beitragen.

Frage: Können wir auf Ihre Hilfe zählen, sich in besonderen Fällen bei der Durchführung von Kastrationsaktionen finanziell zu beteiligen? Was halten Sie von einer Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für freilaufende Katzen, wie sie vom Dt. Tierschutzbund und dem Landestierschutzverband Baden-Württemberg gefordert wird und von einigen Gemeinden in ihrer Kommunalverordnung umgesetzt wurde? (bspw. Bremen, Hildesheim, Paderborn, Leverkusen....Bundesweit bisher 24 Kommunen. Die Stadt Schramberg könnte hier für Baden-Württemberg eine Pionierrolle übernehmen).

Weiter zu den Antworten der OB-Kandidaten

 

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Wir benötigen dringend weitere Pflegestellen, denn ohne Menschen, die Tieren ein vorübergehendes Zuhause schenken, können wir keine Notleidende Tiere aufnehmen.