Nach einem Jahr voller Turbulenzen befindet sich der Tierschutzverein Schramberg und Umgebung wieder in geordneten Bahnen. Der Jahresrückblick des Vorsitzenden Lothar Joachim bei der Hauptversammlung im Gasthaus "Kreuz", Oberreute, hörte sich an wie eine spannende Krimi-Kurzgeschichte.

Großen Anteil daran hatte der ehemalige Vorsitzende, der nicht nur die Wahl des neuen Vorstands bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung im Februar 2010 gerichtlich anfocht, sondern auch trotz wiederholter Aufforderung seinen Jahresbeitrag nicht bezahlte und daraufhin aus dem Verein ausgeschlossen wurde.

Der neue Vorstand wurde im April vergangenen Jahres vom Registergericht bestätigt und konnte seine Arbeit offiziell aufnehmen. Es erfolgte eine Anzeige gegen den Ex-Vorsitzenden wegen des Verdachts der Untreue. Mit gewissem Bedauern registrierte die Versammlung die Nachricht des Vorsitzenden, dass das Verfahren gegen ihn aufgrund des eher geringen Vereinsschadens kürzlich eingestellt worden sei.

Da die Genehmigung vom Landratsamt Rottweil für die beantragte Nutzungsänderung eines Wohngebäudes in ein Tierheim im Aichhalder Gewann "Buz" zu spät kam und weil die Besitzerin das Anwesen inzwischen an einen anderen, 10 000 Euro mehr bietenden Interessenten verkauft habe, sei der Verein weiterhin auf der Suche nach einem geeigneten Objekt und darauf angewiesen, Fundtiere privat aufzunehmen, bedauerte Joachim. Ein weiteres Gebäude im "Rübenloch" im Bernecktal habe aufgrund von zu hohen finanziellen Forderungen des Eigentümers und anstehenden Reparaturen wieder aufgegeben werden müssen.

Wie wichtig jedoch ein eigenes Tierheim für die Raumschaft Schramberg sei, zeigten anonyme Anzeigen im vergangenen Jahr, bei der Tiere von ihren Haltern nicht nur ohne Futter und Wasser vernachlässigt, sondern obendrein geschlagen und ausgesperrt worden seien. Um bei der Suche nach einem geeigneten Gebäude am Ball bleiben zu können, bat der Vorsitzende im Auftrag des Vorstands um ein klares Votum der Mitgliederversammlung, das einstimmig erfolgte.

Unterstützung in seinem Vorhaben erhielt der Verein durch den Vorsitzenden des Landestierschutzverbandes Baden-Württemberg, Herbert Lawo, der bei einem Gebäudekauf Zuschüsse vom Land von bis zu zwei Dritteln in Aussicht stellte. Im Koalitionsvertrag der neuen grün- roten Landesregierung stehe, dass Tierheime vordringlich gefördert werden, und dies auch CDU-Fraktionsvorsitzender Peter Hauck unterstütze, wusste Lawo.

Andererseits warnte der Landesverbandsvorsitzende vor den Unterhaltungskosten eines Tierheimes, die mit denen eines Einfamilienhauses gleichzusetzen seien. Wenn hierfür ehrenamtliche Tätigkeit nicht möglich sei, brauche man 400-Euro-Kräfte. Außerdem müsste ein Tierheimpfleger eingestellt werden, der weitere 20 000 Euro pro Jahr koste. Die Kosten für Fundtiere müssten von der Kommune übernommen werden, obwohl es immer noch welche gebe, die sich dieser Pflicht widersetzten, so Lawo.

Tierschutzverein mit neu überarbeiteter Satzung.

Wie Vorsitzender Lothar Joachim in der Hauptversammlung erläuterte, firmiere der Verein nach der bisherigen Satzung von 1986 nur unter Tierschutzverein Schramberg. Da diese Satzung jedoch Formfehler aufweise und dies auch zur Anfechtung der Vorstandswahlen im Vorjahr geführt habe, sei eine Neufassung auf Grundlage des Landestierschutzverbands zwingend erforderlich gewesen. Die bisherige Satzung hätte laut Registergericht überhaupt nicht in Kraft treten dürfen, klärte der Vorsitzende auf.

Lebhafte Diskussionen gab es jedoch, weil die neue Satzung keine Beisitzer mehr vorsieht. Einzelne Mitglieder wollten partout auf diese zwei Funktionäre nicht verzichten. Nicht vollständig geklärt werden konnte, ob Beisitzer für die Vorstandsarbeit wichtig sind oder nicht.

Joachim drängte jedoch aus rechtlichen Gründen auf einen sofortigen Beschluss, um nicht noch einmal ein Jahr mit der bisherigen Satzung weiterarbeiten zu müssen. Landesverbandsvorsitzender Herbert Lawo konnte die Gemüter beruhigen: Die im Vorjahr auf vier Jahre gewählten Beisitzer bleiben auch nach der Verabschiedung der neuen Satzung bis 2014 noch im Amt und scheiden erst dann aus. Dann könne immer noch über eine weitere Satzungsänderung im Blick auf die Beisitzer diskutiert werden, so Lawo. Ohne Gegenstimmen (bei vier Enthaltungen) wurde das neue Schriftwerk beschlossen. Mit der neuen Satzung darf der Verein sich nun auch offiziell Tierschutzverein Schramberg und Umgebung nennen.

Grund zur Freude hatten die Mitglieder beim Bericht von Kassierer Detlef Slupinski. Durch eine Erbschaft konnte der Kassenbestand entscheidend verbessert werden. Dies erleichtert die Suche nach einem geeigneten Gebäude für die Einrichtung eines Tierheimes in finanzieller Sicht wesentlich.

Obwohl es im vergangenen Jahr 18 Austritte gab, konnte die Mitgliederzahl durch 29 Neueintritte auf 119 gesteigert werden. Insgesamt 149 Meldungen von Tierschutzfällen sind beim Verein in 2010 eingegangen. Diese Zahl teilt sich unter anderem auf in 40 Fundtiere, 36 zugelaufene Katzen, 19 Vermisstenmeldungen und 19 Tiere, die abgegeben wurden.

Besonders traurig: Bei 15 Tieren gab es Haltungsprobleme, beziehungsweise Tierquälerei, so dass der Verein einschreiten musste. Des Weiteren wurden 21 Tierhaltungen vor Ort überprüft. 71 Tiere wurden in die Obhut von Pflegeplätzen gegeben und 58 Tiere wurden an andere Besitzer vermittelt.

Schwarzwälder Bote 19.05.2011

 

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Wir benötigen dringend weitere Pflegestellen, denn ohne Menschen, die Tieren ein vorübergehendes Zuhause schenken, können wir keine Notleidende Tiere aufnehmen.